Ist Platooning eine zukunftsweisende Lösung?
Transport & Logistik

Ist Platooning eine zukunftsweisende Lösung ?

In Zeiten, in denen die globale Wirtschaft wieder in Schwung gebracht werden soll, sucht auch die Transport- und Logistikbranche nach einem Weg, der sie wieder auf den richtigen Kurs bringt. Bei der Abwägung verschiedener Maßnahmen zur Verbesserung der Effizienz und zur Kostenkontrolle spielen auch ökologische Bedenken eine Rolle und es kommen Ideen wie Platooning für Schwerfahrzeuge ins Spiel. Aber handelt es sich hier um eine Lösung für die Zukunft?

Aufgrund des Coronavirus ist die Wirtschaft vorübergehend zum Erliegen gekommen und Unternehmen müssen mehr als je zuvor konkrete Schritte einleiten, um die Kosten auffangen zu können. Die Logistikbranche stellt keine Ausnahme dar. Aber dennoch sind Umweltbelange und Maßnahmen wie Platooning immer noch eine Priorität für sie. Das Prinzip ist einfach: Beim Platooning werden Lkw miteinander vernetzt und fahren auf der Autobahn in geringem Abstand hintereinander.

Der erste Lkw wird ganz normal von einem Fahrer gefahren und die anderen sind über V2V verbunden (Vehicle To Vehicle; es handelt sich um ein Kommunikationsprotokoll zwischen Fahrzeugen, das durch die Verbreitung von 5G allgemein verwendet werden wird). Sie reagieren automatisch auf die Manöver des Fahrers. In den letzten Jahren haben alle Hersteller von Schwerfahrzeugen an der Entwicklung dieses Prozesses gearbeitet und es ist jetzt möglich, diese eng gekoppelten Lkw-Züge unter Betriebsbedingungen zu testen.

Ein bewährtes System

Nach zahlreichen Tests über mehrere Tausend Kilometer haben die unterschiedlichen Systeme der Lkw-Hersteller ihren Wert bewiesen. Durch Platooning können 5 bis 10 % Kraftstoff eingespart werden. Die nachfolgenden Fahrzeuge fahren im Sog des Fahrzeugs vor ihnen und die Einsparungen erfolgen durch den fehlenden Luftwiderstand.

Dies ist ein wichtiger Punkt, da Kraftstoffkosten der wichtigste Kostenfaktor für Spediteure sind. Platooning bedeutet auch eine Reduzierung von CO2-Emissionen, ein Thema, das für Spediteure immer wichtiger wird. Die Fahrer der nachfolgenden Fahrzeuge ermüden weniger schnell und es wird darüber nachgedacht, ihre Fahrzeit zu erhöhen, was die Rentabilität verbessern würde.

Hindernisse für die Umsetzung

Platooning hat bestimmte Vorteile, aber es ist schwierig die Entwicklung der nächsten Jahre vorherzusehen. Es gibt zahlreiche Probleme, die die Umsetzung erschweren. Es gibt eine Anzahl an bestimmten Anforderungen, die alle gleichzeitig eingehalten werden müssen: Die Fahrten müssen auf der Autobahn erfolgen, lange Strecken abdecken und es sollen so wenig wie möglich Fahrzeuge dazukommen oder abfahren.

Aus diesem Grund kann Platooning nur teilweise im Straßenverkehr angewendet werden. Der Markt braucht mehr Struktur, damit Hersteller mehr in diese Lösung investieren werden. Es gibt auch technische Herausforderungen, die es noch zu lösen gilt. Bei Langstreckentests war aufgrund des niedrigen Luftstroms eine geringere Motorkühlung zu beobachten, was langfristige Probleme bezüglich der Zuverlässigkeit mit sich bringen kann. Außerdem ist es derzeit nicht möglich, Lkw unterschiedlicher Hersteller miteinander zu verbinden. Das Projekt Ensemble European (Abkürzung für ENabling SafE Multi-Brand pLatooning for Europe) konzentriert sich derzeit darauf, die Interoperabilität von Systemen umzusetzen, um Kolonnen mehrere Hersteller möglich zu machen.

Zu guter Letzt müssen die Verkehrsvorschriften für die Autobahn geändert sowie die Haftung für die Versicherungen (Wer ist im Falle eines Unfalls verantwortlich?) festgelegt werden und man muss mit Fahrern und anderen Straßenteilnehmern an der sozialen Akzeptanz arbeiten. Platooning ist eine vielversprechende Lösung, aber es wird wahrscheinlich noch einige Jahre dauern, bis sie großflächig angewendet werden kann.

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